1. Etappe, Kochel - Seefeld
60 km, 1330 Höhenmeter

Gleich die erste Etappe kombiniert Vertrautes mit Unbekanntem. Jeder Biker in Bayern kennt den Kochelsee, als Ausgangspunkt für viele Tagestouren in der Benediktenwandgruppe, am Walchensee und um den Herzogstand. Aber wurde Kochel am See schon einmal als Startort einer Transalp ins Spiel gebracht? Eher nicht.

Obwohl sich das geradezu anbietet, denn der Ort liegt im Voralpenland genau am Schnittpunkt der glazialen Schwemmebene und dem Beginn der Berge. Und es ist über Autobahn und Bahnverbindung sehr schnell und einfach von München aus erreichbar. Anders als beispielsweise der sehr viel bekanntere Alpencross-Startort Mittenwald, der streng genommen sich schon in den Bergen befindet, liegt Kochel genau davor.

Gleich nach dem Start geht es auf der alten Kesselbergstraße knackig zur Sache und noch bevor der Tacho 5 Kilometer addiert hat, sieht man sich das erstemal über die verfallenen Reste der schon 1492 erstmals erwähnten Wegtrasse bergauf schieben. Der Autoverkehr der parallel verlaufenden, nahen Bundesstraße 11 dringt nur schwach herüber. Kurze Zeit später hat man vor Urfeld den ersten Pass erklommen und blickt auf das türkisfarbene Blau des eiskalten Walchensee.

Exkurs für konditionell Fitte und Fahrtechniker: Wer's extrem knackig mag, ignoriert die Kesselbergauffahrt und wählt schon in Kochel den sausteilen Anstieg über die Kotalm und den Jochberg. Auch diese Variante führt an den Walchensee, packt aber gleich zu Beginn rund 500 Höhenmeter mehr aufs Höhenprofil, die sich vor allem gegen Ende hin bemerkbar machen dürften. Auf der Südseite der Abfahrt von der Kotalm hat man die Wahl zwischen einfacher Schotterstraße, einem Trail nach Jachenau (mehr Kilometer) und einer fahrtechnisch schweren Freeride-Variante (über einen Gegenanstieg) zum Sachenbacher Kiosk. Wer letzteren mit Alpencross-Rucksack bewältigen möchte, sollte schon über ein sehr gutes Gleichgewichtsgefühl verfügen. Auch sind Protektoren in diesem Fall kein überflüssiger Ballast.

Die Westuferpassage des Walchensee gehört der zumal an Wochenenden sehr stark befahrenen Bundesstraße 11. Sie gilt es zu meiden über einen „Umweg“ um den Walchensee herum. Quasi verkehrsfrei rollt man von Ursprung auf einer geteerten Uferstraße bis nach Sachenbach und zweigt am Kiosk auf eine nun fein geschotterte Uferstraße nach Niedernach. Bitte an Tagen mit viel Ausflügler-Aufkommen der Radwegbeschilderung folgen und nicht auf den zugegebenermaßen schöneren und holprigeren Ufertrail, sonst wird man zwischen Spaziergängern, Kindern und Hunden nicht glücklich – und diese nicht mit den Radlern. Am Gasthof Waldschänke in Niedernach mündet man in die Südufer-Mautstraße, die Jachenau mit Einsiedl verbindet. Wir folgen ihr rechts. Hier muss mit Verkehr gerechnet werden, wenngleich es wegen der erhobenen Mautgebühr meist nicht sehr viel ist und die passierenden Auto- und Motorradfahrer eher im Panorama-Genussmodus unterwegs sind.

Gleich gilt es eine erste strategisch wichtige Entscheidung zu treffen: Als Varianten stehen die eher leichte Uferstraße zur Wahl oder die Überquerung des Hochkopfs, der den Walchensee vom Isartal trennt. Die zweite Variante ist durch eine längere und stellenweise knackige Auffahrt charakterisiert, die in ihrem Schlußstück zur unbewirtschafteten Hochkopfhütte gar eine technische Bergaufpassage auf Singletrail offeriert. Von der Hütte aus hat man eine tolle Aussicht auf das Isarbecken zwischen Wallgau und Mittenwald, auf das Karwendelgebirge und den Wetterstein. Für ein Erholungspäuschen also bestens geeignet. Leider gibt es oben weder Wasser zum Nachfassen, noch etwas zu kaufen. Die Selbstversorgerhütte wird nur von Alpenvereinsgehern mit Schlüssel besucht (und die bringen ihre eigene Verpflegung mit).

Die Abfahrt von der Hütte beginnt sofort mit einem fartechnisch anspruchsvollen Trail. Bis zum Erreichen der Hütten-Zufahrtsstraße ist es zwar nicht weit, aber die stark erodierte Passage reicht, um erste Fragen hinsichtlich Mut und Fahrkönnen aufzuwerfen. Man hält sich von der Wegweisung nunmehr ständig Richtung Maxhütte und Wallgau, meist eben, sollte dabei aber durchaus den GPS-Track auf dem Navigationsgerät im Auge behalten, denn den einen oder anderen unerwarteten Abzweig im Forst gilt es zu beachten. Dabei werden Bachläufe passiert und Hochmoore gequert und nicht immer hinterlässt die Wegführung einen eindeutigen Eindruck. Dafür geizt diese Wildlandschaft nicht mit ihren Reizen: Kennt man Moore sonst nur aus Becken- und Tallagen, wird man hier überrascht von der Tatsache, dass sie wundersamerweise über die höchsten Höhenzüge des Ochsensitzer Berges führen. Wo gibt's das sonst schon?

Noch ein letzter Aufschwung und man erreicht die Maxhütte, ein schön gelegenes Ausflugslokal über Wallgau. Nun folgt die kurze, steile Abfahrt und der jüngst davon abzweigende „Magdalena Neuner-Panoramaweg“, den die Erschaffer im Tourismusbüro sicher nicht zur Erbauung von Mountainbikern erdacht haben. Sie hatten vermutlich eher die Spaziergänger im Blick, die mit wenig Anstrengungsaufwand ins Freie gelockt werden sollten und über gut zwei Dutzend Informationstafeln mehr oder weniger Interessantes aus dem Leben des derzeit berühmtetsten Dorfkindes erfahren dürfen. Hier gilt deswegen gleiches wie zuvor an den Uferpfaden des Walchensee: an Tagen mit viel Ausflüglern sollte man den Panoramaweg meiden, will man nicht alle paar Meter "Äh, Entschuldigung bitte!" stammeln müssen und sich böse Blicke von erholungssuchenden Castrop-Rauxelern zuziehen.

In Wallgau führen beide Varianten wieder zusammen: Wer sich zuvor am Walchensee für die einfachere Uferstraßenvariante entschieden hatte, erreicht Wallgau auf einem parallel zur Bundesstraße 11 verlaufenden Radweg, der zwar geteert ist, aber ab Einsiedl auch spürbar bergauf führt.

Flach geht es von Wallgau bis Krün über das längst trockengelegte Moor, ehe sich der Anstieg hinauf zu den Buckelwiesen anschließt. Diese haben ihren Namen von einer weiteren geologischen Besonderheit: die Wiesen und Weiden, die passiert werden, weisen überaus lustige Aufhäufungen auf und sehen in etwa so aus, wie eine Buckel-Skipiste, nur ohne Schnee und im Flachen. Karwendel zur Linken und Wetterstein zur Rechten rücken näher und so fährt man in Nähe der Bahnlinie in Mittenwald ein, dem für seine Lüftlmalereien an den alten Dorfhäusern bekannten Geigenbauerort in Oberbayern. Ein Abstecher in die Fußgängerzone (sic!) lohnt allemal, will man später von sich behaupten, auch an Mensch und Kultur Interesse gezeigt zu haben und nicht nur an reinen Leistungsdaten.

Den weiteren Abschnitt von Mittenwald nach Scharnitz kennt man von zahllosen Karwendelbefahrungen. Der flache Radweg passiert die Sportanlagen und durch den Riedboden (wobei uns ab der Gabelung die linke, der Isar näher verlaufende Variante besser gefällt) gelangt man an der historischen Porta Claudia über die Grenze nach Scharnitz in Österreich. Den Ort muss man nicht auf der Hauptstraße passieren, sondern kann sich rechts davon in Isarnähe halten. Wo der Fluss seine Biegung ins Karwendel macht, bleiben wir rechts am Gießenbach und fahren auf beschildertem Radweg immer an der rechten Talseite entlang nunmehr leicht ansteigend bis zum gleichnamigen Ort Gießenbach. Nach Passieren der Häuser mündet unser Radweg auf die Teerstraße, die rechts ansteigend Richtung Leutasch führt. Dieser wenig befahrenen Straße folgt man nun für etwa 800 Meter, ehe wir wieder links auf eine geschotterte und mit Wegweisern beschilderte Waldstraße abbiegen. Diese Option führt in der einfachsten und unübersehbar mit E-Bike-Wegweisern versehenen Variante über das Gasthaus Triendlsäge bergauf bis zum Etappenziel Seefeld (in Tirol). Wir aber wollen es ein wenig anspruchsvoller und e-bike-loser haben und zweigen nach ca. einem knappen Kilometer links auf ein Holzbrücklein und einen Pfad Richtung Bodenalpe. Auch auf dieser Seite führt ein Schotterweg bis hinauf nach Seefeld, stellenweise sogar steil. Wegen der zahlreichen Verzweigungen gilt es auch hier, den GPS-Track im Auge zu behalten. Am Geigenbühel erreicht man dann den Touristenort und in wenigen Minuten ist man im Zentrum.
Fazit: Der Startort Kochel kann von München aus mit der Deutschen Bahn erreicht werden.
Das erste Teilstück von Kochel hinauf zum Walchensee könnte man theoretisch leichter auf der B11 bewältigen, davon wird aber aufgrund des Verkehrsaufkommens dringend abgeraten. Sicher ist unsere Wegführung auf der alten Kesselbergstraße kürzer und steiler und an einigen wenigen Stellen unfahrbar verfallen, aber diese Brocken halten sich in überschaubaren Grenzen. Die Varianten über Kotalm und Jochberg sind nur Konditionscracks und Fahrtechnikkünstlern vorbehalten und sicher kein „weicher“ Start in den Alpencross.

Ab Walchenseeufer: Sehr schöne, lockere Passage am Ufer enlang. Die Überquerung der Hochkopfvariante am Walchensee hat rund 300 Höhenmeter mehr als die Uferstraßenvariante. Spaß am technischen Trailfahren ist von Vorteil, die kniffligen Passagen sind aber nicht so lang, um schwächeren Fahrern diesen zu vermiesen.

Zwischen Wallgau und Gießenbach ist Genussmodus angesagt. Der Schlussanstieg nach Seefeld ist am Ende dieser längeren Startetappe wiederum durchaus spürbar und wer nicht mehr die nötige Energie und Kraft aufbringt, sollte am Ende lieber die leichtere Triendlsäge-Variante der E-Biker-Fraktion bevorzugen. Ohne Elektromotor bleibt eine Steigung eine Steigung. Außerdem ist Mittenwald als Übernachtungsort ebenfalls eine Option, so dass man den Anstieg am nächsten Morgen ausgeruht angehen kann. Und wenn alles nicht hilft: Zwischen Mittenwald und Seefeld verkehren Bus und Bahn.

MIT DEM E-BIKE

Die Passage über den Altlacher Hochkopf zwischen Walchensee und Wallgau weist einige sumpfige Wegstücke durch feuchte Hochmoore auf, in denen es nötig werden kann, das Bike zu schieben. Eine für schwere E-Bikes deutlich einfachere Variante führt vom südlichen Ufer des Walchensee über Einsiedl und den ausgeschilderten Radweg nach Wallgau. (siehe GPS-Tracks MAX101 oder MAX191)

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60 km, 1330 Höhenmeter

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